Unsere Schule » Chronik

Streiflichter anstelle einer Chronik

von Bodo Gotthardt / Auszug aus der Festschrift “125 Jahre Gymnasium Steglitz”

Bodo Gotthardt besuchte das Gymnasium Steglitz von 1930 – 1938 (Abitur) als Schüler und unterrichtete von 1953 bis zu seiner Pensionierung 1985 die Fächer Deutsch, Latein und Griechisch am Gymnasium Steglitz.

Unser Gymnasium war bis 1950 eine Schule nur für Jungen. In diesem Jahr legte hier zum ersten Mal ein Mädchen das Abitur ab, Sibylle Hommel, die Tochter des Griechisch-Professors Hildebrecht Hommel. So spärlich ging es weiter: ein Mädchen 1952, zwei weitere im nächsten Jahr. Die Zahl der angemeldeten nahm zu, es waren aber meist einzelne, die bis zum Abitur in ihren Klassen blieben. Auch gab es bis in die Sechziger Jahre fast in jedem Jahrgang eine reine Jungenklasse. Erst ab 1985 wurde einige Male die Zahl der angemeldeten Mädchen größer als die der Jungen.

Auszug aus der Festschrift "125 Jahre Gymnasium Steglitz"

Festschrift “125 Jahre Gymnasium Steglitz”…

Der Haupteingang unter den vergoldeten Lettern wurde in den ersten neun Jahrzehnten nur an hohen Festtagen geöffnet. Erst nach der Errichtung des Fachraumanbaus 1972 wurde der Zugang von der Heesestraße her ermöglicht und damit erleichtert. Im Sommer 1960 hing über den goldenen Buchstaben ein breites weißes Schild mit der Aufschrift „Waisenhaus“. Auf dem Mäuerchen an der Ecke Südendstraße saß Freddy Quinn und sang zu der Gitarre. Auf den Unterricht in den nahen Klassen und auf die Ordnung in den Hofpausen wirkte sich das etwas störend aus.

Ein glücklicher Umstand während der Geschichte des Gymnasiums war es, dass es, verglichen mit anderen Schulen, wenige Leiter gehabt hat, sieben in 125 Jahren. Unübertroffen lange blieb der erste, Geheimrat Dr. Robert Lück, in seinem Amt, 33 Jahre lang war er Direktor, vor allem wegen der Kriegsjahre über die Altersgrenze hinaus. Von den Nachfolgern gingen drei aus dem Kollegium hervor: Prof. Dr. Emil Kroymann 1919 –1931, Fritz Sommer 1931 – 1956, Dr. Werner Hirsch 1972 – 1993. Letzterer war zugleich ehemaliger Schüler unseres Gymnasiums wie auch Dr. Walter Abel (1956 – 1972) und nun Dr. Michaela Stein-Kramer (seit 2007). Auch der in dieser Aufstellung noch fehlende Dr. Thomas Gey (1993 – 2007) gehörte schon vorher einige Jahre dem Kollegium an.

Es gibt keine Erkenntnisse darüber, dass Lehrer und Schüler des Gymnasiums in ein Vernichtungslager deportiert worden sind, anders als etwa aus dem Schiller-Gymnasium Prof. Otto Morgenstern, der nach Theresienstadt deportiert wurde und dort den Tod fand. Einige der Steglitzer Schüler sind bekannt, die sich genötigt sahen oder gezwungen wurden, das Land ihrer Muttersprache zu verlassen, und so ihr Leben retten konnten. So aus meiner Klasse (Abi 38) Karl Bloch, der schon im März 1933 seinem gefährdeten Vater nach Haifa folgte, und Wolfgang Stargard, der sich nach England und später nach Australien retten konnte. Hans Schaeffer (Abi 36) ging ebenfalls nach England und nach den USA; hat um 2000 mehrfach mit Schülern bei uns diskutiert und über seine Erfahrungen aufgeklärt. Auch Peter Schaps (Abi 40) und seine zwei Brüder konnten bis 1938 an der Schule bleiben und dann nach England ausreisen.


Die Schulleiter des Gymnasium Steglitz

Geheimrat Dr. Robert Lück
Schulleiter von 1886 – 1919

Prof. Dr. Emil Kroymann
Schulleiter von 1919 – 1931

Fritz Sommer
Schulleiter von 1931 – 1956

Dr. Walther Abel
Schulleiter von 1956 – 1972

Dr. Werner Hirsch
Schulleiter von 1972 – 1994

Dr. Thomas Gey
Schulleiter von 1994 – 2007

Dr. Michaela Stein-Kramer
Schulleiterin von 2007 – 2013

Antje Lükemann
Schulleiterin von 2013 – heute