Dienstag, 4. Juni 2019
Weimarfahrt im Mai 2019

Eindrücke von Taraneh und Niovy aus dem 2. Semester

Foto: Thanasis Politsopoulos

Erster Tag in Weimar!
Mittwoch, nach einer gut zweistündigen Fahrt vom Berliner Hauptbahnhof kommen wir – drei Deutsch Grundkurse des zweiten Semesters in Begleitung von Frau Klatt, Frau Lach, Frau Wendt und Herrn Kilian – um 9 Uhr morgens am Weimar Hbf. an.

Unser Hostel erreichen wir mitsamt Koffern und Rucksack zu Fuß. Dort stellen wir schnell unser Gepäck unter und weiter geht es zum Weimarer Marktplatz, wo wir Stadtpläne ausgeteilt bekommen. Der Markt soll unser Erstkontakt mit Weimar sein, von hier aus bereiten wir in kleineren Grüppchen Erkundungs-Touren mit verschiedenen Schwerpunkten vor: Goethe, NS in Weimar, NS Architektur, DDR, Bauhaus Denkmäler und Maria Pawlowna.

Meine fünfköpfige Goethe-Gruppe hat vorerst Orientierungsprobleme, trotz Stadtplan und Google-Maps-Beistand… Schließlich finden wir Goethes Wohnhaus am Frauenplan. Mit Charme gelingt es zweien meiner Gruppe, eine Mitarbeiterin zu überreden, dass wir uns kurz das Haus ansehen dürfen. Am Freitag werden wir an der vollständigen Tour teilnehmen; ich kann aber jetzt schon sagen, dass das Wohnhaus Goethes umwerfend schön mit märchenhaftem Garten ist!

Aus dem Haus wieder herausgetreten, suchen wir das Deutsche Nationaltheater: mit Erfolg. Ursprünglich haben Goethe und Schiller dieses zusammen erbaut, heute findet sich jedoch ein restauriertes, kleineres Gebäude.

Nur knapp schafft es meine Gruppe um 13 Uhr wieder am Hostel zu sein – kurz nach den Lehrer*innen! (-;

Als alle Schüler*innen nacheinander eingetroffen sind, fahren wir mit dem Bus auf den Ettersberg. Dort ist das KZ Buchenwald. Die Stimmung auf dem Hinweg ist heiter, noch wurden uns die unbeschreiblichen Grauen, die unaussprechlichen Leiden nicht vor Augen geführt.

Bis das Licht im kinoähnlichen Saal vor Ort ausgeht und der Einführungsfilm anfängt zu spielen, hält diese Stimmung an. Der Film war kein Tränendrüsenfilm; es fehlte Musik, es fehlten Beschuldigungen von den drei interviewten Zeitzeugen. Die brutale Wahrheit war genug, um Tränen fließen zu lassen. Die unermesslichen Demütigungen, unmenschlichen Misshandlungen, von denen wir hören, sind nicht in Worte zu fassen. Die anschließende Führung über das Gelände war informativ, keineswegs verzerrend. Ohne monoton oder emotional zu sprechen, erzählt uns der Guide von den Vorgängen im KZ. Wir erfahren von dem Zoo direkt vor dem Zaun; vom „Empfang“, den die Häftlinge erlebten. Dieser Horror wird in der mehrstöckigen Ausstellung mit Zeitungsartikeln, Briefen, Formularen, Uniformen, Bildern dargestellt.

Nachdem auch die Letzten von dort wieder den Bus erreichen, fahren wir wieder ins Hostel und können endlich unsere Zimmer beziehen.
Am Abend beginnt eine „Gemeinsame Reflexion über Buchenwald“ aller Kurse im Seminarraum, die ich aber eher als erhitzte Diskussion als formale Auseinandersetzung beschreibe. Ich persönlich hatte die Möglichkeit, mich mit mehreren darüber auszutauschen und über Ansichten anderer zu grübeln.

Das ist das Wichtige: dass immer noch darüber nachgedacht wird, wie man sich an die Schrecken des Nationalsozialismus erinnern soll, wie man damit umgehen kann und muss!

Donnerstag, zweiter Tag in Weimar.
Um 9 Uhr gehen wir alle gestärkt vom Frühstück zu Schillers Wohnhaus. Dort werden wir in zwei Gruppen eingeteilt; die erste soll die Stadtführungen für den kommenden Tag weiterplanen, während die zweite sich schon im warmen Schillerhaus umsehen darf.

Es regnet, der Himmel ist ein verzückendes Grau. Ein nettes Café unter Schillers erster Wohnung in Weimar rettet mein Grüppchen vor dem Erfrieren. Über heißen Getränken besprechen wir die geplante Tour. Die Zeit vergeht schnell, bis wir diese Unterkunft verlassen müssen.

Auf der Schillerstraße schließlich erwartet uns jedoch etwas Wunderbareres: das farbenfrohe, gemütliches Haus, in dem Schiller einst wohnte.
Um 10:45 beginnt unsere Tour zuerst im Hinterhaus. Dort erfahren wir, was Schiller nach Weimar gezogen hat. Im Vorderhaus war es schwer für mich, aufzupassen und die interessanten Informationen, die uns der Guide darlegte, aufzunehmen, weil ich zu verwundert und begeistert von den Tapeten, dem Wandschmuck, den Möbeln war. Etwas, was ich mitbekommen habe, war die äußerst unübliche und faszinierende Liebesgeschichte von Schiller und zwei Schwestern. Letztendlich entschied sich Schiller für die jüngere, weil, wie er beiden auch mitteilte, die ältere Schwester und er zwar zusammenpassten, er aber der jüngeren an seiner Seite die Chance geben wollte, aufzublühen…

Nach dem Wohnhaus besuchen wir die Ausstellung im neu eröffneten Bauhaus-Museum.

Das Bauhaus war fabelhaft. Es war unglaublich interessant, sich die verschiedenen Studien zu Farbe, Formen, Architektur und Effizienz anzusehen.
Am Abend schließlich treffen wir uns erneut alle im Seminarraum. Heute ist der Schwerpunkt „Erinnerungskultur“. Wir thematisieren die Blickwinkel griechischer und deutscher Erinnerungskultur. Der Austausch endet ohne ein wirkliches Endergebnis, was bei diesem Thema allerdings unmöglich erscheint.

Freitag, heute ist unser letzter Tag in Weimar.
Wie auch an den anderen Tagen gab es um 8:00 Uhr Frühstück im Essensraum. Als ich ihn heute morgen betrat, umhüllte der Duft von frischen Brötchen und würzigem Kaffee meine Sinne.

Nachdem wir uns alle satt gegessen hatten, sind wir zurück in unsere Zimmer und haben unsere Sachen gepackt, da wir bis 10:00 Uhr die Zimmer geräumt haben mussten.

Als dies dann auch erledigt war, machten wir uns alle auf den Weg in die Innenstadt. Weimar ist wunderschön. Überall stehen alte Gebäude. Die Fenster sind mit Schnörkeln verziert. Kleine Türme strecken sich auf in den Himmel. Kleine Straßen und Gassen verstecken hinter jeder Ecke neue Geheimnisse. Efeu streichelt die alten Gemäuer. Es steckt so viel Geschichte in dieser Stadt. An manchen Häusern gibt es Tafeln, auf denen steht: „Hier hat Schiller gewohnt“, oder Ähnliches.

Um 11:00 Uhr haben wir uns dann auf dem Marktplatz Weimars versammelt und uns wieder in zwei Gruppen aufgeteilt, welche nacheinander das Goethe Nationalmuseum und das Goethe Wohnhaus besuchten.

Das Museum befindet sich im selben Gebäudekomplex wie auch das Wohnhaus mit über 11 Räumen, in denen uns von Goethes Werken in Bereichen wie Literatur, Wissenschaft und Politik berichtet wurde. Wie ich gelernt habe, wurde Goethe 1775 vom Herzog Carl August nach Weimar eingeladen. Er wurde in viele Regierungsämter gewählt, war Direktor des Wege- und Bergbaus und Leiter der Finanzverwaltung. Er wurde ebenso für private Angelegenheiten des Herzogs eingespannt.

Auch in den Naturwissenschaften war er versiert. 1792 entdeckte er etwa im menschlichen Schädel den Zwischenknochen oder auch os intermaxillare genannt. Als er mal auf Reisen war, hat er aus fremden Ländern Kiefernzapfen mitgebracht. Aber nicht nur ein oder zwei, sondern ganze Kisten voll, um diese genauer unter die Lupe zu nehmen.

Sein Wohnhaus bestätigt, was für ein großer, bedeutungsvoller Mann Johann Wolfgang von Goethe war. Allein das Vorderhaus zeugt von großem Vermögen. Als ich dieses das erste Mal erblickt habe, konnte ich nicht glauben, dass das alles Goethes Haus gewesen sein sollte. Vor seiner Haustür ist das Wort Salve in den Boden eingelassen, das jeden, der sein Haus betritt, begrüßt. In jedem Raum gibt es große und kleine Skulpturen und Gemälde. Außerdem ist jeder Raum bewusst in einer anderen Farbe gestrichen, abhängig davon, welche „Ausstrahlung“ er haben sollte.

Eine Besonderheit ist auch Goethes Hinterhaus mit Garten. Im Gegensatz zu dem Vorderhaus, welches der repräsentative und imposante Teil ist, ist das Hinterhaus eher beschieden. In einem kleinen Brunnen plätschert Wasser und man schaut auf ein Meer aus bunten Blumen. Dort soll Goethe zu seinen Lebzeiten ebenfalls Experimente und Forschungen gemacht haben.

Nach der Besichtigung schlossen sich nach einer kurzen Mittagspause unsere selbst ausgearbeiteten Stadtführungen an. Diesmal teilten wir uns in vier Gruppen auf und machten uns auf den Weg, um noch die letzten Ecken Weimars zu erkunden, bis wir abreisen mussten.

Die Stadtführung war sehr vielfältig. Erst waren wir im Park an der Ilm. Die Sonne schien und das schimmernde Licht tanzte auf dem Wasser. Wir haben Einiges über Maria Pawlowna, die Weimar in verschiedenster Art und Weise beeinflusst hat, Ernst Thälmann und die NS-Zeit und natürlich auch über Goethe und Schiller erfahren.

Nach unserer Tour ging es wieder in die Jugendherberge, um unsere Koffer abzuholen, und wir begaben uns mit leichten Verspätungen zurück nach Berlin

In den drei Tagen habe ich wirklich einiges, nicht nur über Weimar, sondern auch über die deutsche Geschichte gelernt, über die NS-Zeit, Kunst und Kultur der Weimarer Zeit des 20. Jahrhunderts und über die Beeinflussung der Literatur in den letzten paar Jahrhunderten.

Fotos: Thanasis Politsopoulos

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