Freitag, 10. Juli 2015
“Otium” statt Antikenfahrt

Ein Oberstufenschüler berichtet über seine 2 Wochen im Otium

otium-01Nur weil ich nicht auf die Antikenfahrt mitgefahren bin, soll ich nun zwei Wochen im Otium arbeiten, mit den Kindern spielen und bei den Hausaufgaben helfen? Naja, nach viel Spaß hörte sich das am Anfang nicht an. Zwei Wochen lang mit lauten Kindern spielen anstatt in Griechenland oder Italien in der Sonne zu brutzeln.

Das Otium war für mich immer ein merkwürdiger Ort, denn es befand sich in meinem alten Klassenraum und ich hatte auch keine Vorstellung davon, wie es dort aussieht bzw. wie sowohl die Betreuer als auch die Kinder „so drauf sind“.

Meine Erwartungen an die zwei Wochen waren: laute Kinder, wenig zu tun und viel Langeweile. Doch zum Glück hat sich das bereits nach wenigen Stunden am Montag geändert. Um 12 Uhr im Otium angekommen, wurden ich und die anderen „Praktikanten“ erst einmal eingewiesen, uns wurden die Regeln erklärt und wir haben gemeinsam mit den netten und lockeren Betreuern überlegt, wie wir die nächsten zwei Wochen so interessant wie möglich machen können. Dabei hatten wir Ideen wie Sandwiches, Möbel bauen u.v.m. Danach haben wir auch zum ersten Mal die Mensa-Arbeit kennengelernt, wurden direkt von mehreren Kindern gefragt, was wir denn hier machen würden, woraufhin wir geantwortet haben: „wir sind die neuen Praktikanten“. Um 14:30 Uhr kamen dann die Kinder. Denen haben wir uns vorgestellt, haben dann zusammen Hausaufgaben erledigt und Brettspiele gespielt.

Mit der Zeit wurde das „Praktikum“ routinierter und spaßiger. Manchmal kamen einige Kinder früher, weil sie kein Religionsunterricht haben, woraufhin mit ihnen gespielt und gelacht wurde. Ansonsten war es bis 14:30 relativ ruhig und man konnte andere Aufgaben erledigen, wie z.B. das Ausräumen des Kellers (danach wurde uns ein Eis spendiert), die Mensa-Aufsicht in den großen Pausen oder das eher anstrengende Stühle schleppen aus den Physik-Räumen im 4.Stock.

Ich habe mich bereiterklärt die Hausaufgaben zu begleiten und bei Fragen der Kinder zu helfen, soweit es möglich war. Dabei habe ich einige Kinder näher kennengelernt, aber auch später von deren Klassenlehrern mehr über sie erfahren. Als ich mich mit den Lehrern unterhalten habe ist mir aufgefallen, dass sie auch Menschen sind (unglaublich aber wahr), man mit ihnen auch ganz normal kommunizieren kann und sie auch lustig sein können.

Am Ende der ersten Woche fand die Unterstufenparty statt. Da ich mich bereiterklärt habe dort mitzuhelfen, habe ich an dem Freitag frei bekommen. Ich bin trotzdem ins Otium gekommen, weil die Arbeit spaßig war und um mich von den beiden fünften Klassen, die in der Woche danach auf Klassenfahrt fuhren, zu verabschieden. Für die Unterstufenparty wurde dann eingekauft und aufgeräumt. Dann ging die Party auch schon los!

In der zweiten Woche wurde das Wetter endlich besser und wir hatten die Möglichkeit endlich draußen zu spielen. Fußball, Basketball, Tischtennis und viele andere Sachen konnten wir nun mit den Kindern draußen unternehmen.

In der zweiten Woche haben wir angefangen, Möbel aus Euro-Paletten zu bauen. Daran waren die Kinder zwar eher weniger interessiert, aber dafür einige Oberstufenschüler umso mehr. Beim Bemalen der Möbel haben hauptsächlich die Mädchen großen Spaß gehabt und wurden dafür mit einem kalten Milchshake belohnt. Am Donnerstag, dem letzten Tag für die Oberstufenschüler und heißesten Tag in der Woche, haben wir eine große Wasserschlacht veranstaltet, an welcher nicht nur die Kinder teilgenommen haben, sondern auch ich und die Betreuer. Dazu haben die Kinder Wasserbomben gebaut und mit Flaschen und einem Schlauch die Anderen nass gemacht.

Abschließend möchte ich mich bei den Betreuern für ihre Lockerheit, das entspannte Umfeld und die schönen zwei Wochen bedanken. Ich habe mal tiefere Einblicke hinter die Kulissen der Schule erhalten. Gelernt, wie man sich gegenüber Kindern zu verhalten hat bzw. mit ihnen die Zeit verbringt, viele neue Gesichter kennengelernt und viel Spaß gehabt. Ich werde definitiv einiges davon mitnehmen und auch gerne noch einmal im Otium vorbeischauen.

Manuel Lemke

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Fotos: Katharina Tebarth

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