Mittwoch, 4. November 2009
Geografie-Exkursion des 13. Jahrgangs

Besuch des Tagebaus und Kohlekraftwerks Cottbus Nord/Jänschwalde

lausitz-team11

Am Dienstag, den 3. November, klingelte wohl für alle an der Lausitz-Exkursion Teilnehmenden der Wecker vor sechs Uhr morgens. Denn es hieß “pünktlich” um sechs Uhr fünfzig auf dem Bahnsteig am Hauptbahnhof zu erscheinen – ob noch müde dahin schleichend oder schon froh und munter voll Energie geladen und Vorfreude. Vorfreude auf eine gut geplante und vielversprechende Exkursion mit dem Erdkunde Grund- und Leistungskurs. Wir, 15 Schülerinnen und Schüler in Begleitung von Herrn Reinhold, machten sich also um Punkt 7.03 Uhr mit dem Zug und in wetterfester Kleidung auf den Weg in den Tagebau Cottbus Nord/Jänschwalde mit anschließender Besichtigung eines der größten Kohlekraftwerke Deutschlands: Kraftwerk Jänschwalde.

Um 9.20 Uhr kamen wir schließlich an der Station Teichland an und wurden von einem Vattenfall Bus abgeholt. Es schien skurriler Weise tatsächlich, als ob uns der Bus “in persona” abgeholt hätte, denn die Tür des Busses öffnete sich, was wir als Erlaubnis einzutreten interpretierten, schloss sich sogleich wieder, nachdem alle eingestiegen waren, und der Bus fuhr ohne irgendeine Begrüßung des Fahrers los.

Glücklicherweise wurden wir nicht irgendwo im Teichland ausgesetzt, sondern direkt zum Informationszentrum von Vattenfall in nächster Nähe gefahren. Dort erwartete uns eine Präsentation, die uns den Konzern Vattenfall, dessen Strategien zur Energiegewinnung und im Besonderen Fakten über Braunkohleabbau in der Lausitz (Tagebau Jänschwalde) näherbringen sollte.

Mit diesen ersten Vorstellungen von dem Braunkohleabbau wurden wir wieder in den uns mittlerweile bekannten Vattenfall Bus gekarrt, der uns bis tief in den Tagebau Jänschwalde hineinfuhr. Als wir ausstiegen, nahmen wir alle die Umgebung äußerst beeindruckt wahr. Worte wie “Mondlandschaft”, “So könnte es auf dem Mars aussehen!” oder einfach nur “krass” schienen die bizarre und teilweise wüstenähnliche Landschaft zu beschreiben.

Wir standen unter einer riesigen Förderbrücke, die F 60 genannt wird und zu den größten beweglichen technischen Arbeitsmaschinen der Welt gehört, mit Ausmaßen von bis zu 80 Metern Höhe und 240 Metern Breite. In zunehmendem Nieselregen mischten sich Sand- Staub- und Kohleteilchen, die von den Förderbändern hoch über uns hinab rieselten. Das machte die Atmosphäre noch skurriler und aufregender, denn das, was vorher nur auf Bildern gesehen worden war, war plötzlich unmittelbar um einen herum.

Die gewaltigen Maschinen konnten wir weiter bestaunen, als wir einige Minuten später auf einer der Ebenen waren, auf denen Kohle von eben solchen riesigen Stahlkolossen abgebaut wurde. Bei diesem Anblick ließ Herr Reinhold quasi als akustische Untermalung der Szene aus Wolfgang Hilbilgs “Der trügerische Grund” vorlesen:
“Und es ist ausgebrannte erloschene Erde, die zurückbleibt, das bei trüben Wetter nicht überblickbare, endlos tief erscheinende, leere Restloch eines Tagebaus. Man weiß, dieses Loch wird irgendwann… irgendwann wieder zugeschüttet werden – wenn es nicht geflutet wird, um einen Binnensee entstehen zu lassen -, mit dem Schutt und dem Müll der Städte […]”

Zur Stärkung verbrachten wir den Mittag in dem Kraftwerk Jänschwalde, das mit 3000 Megawatt (MW) eine sehr hohe Leistung hat. Zur Veranschaulichung: Etwa 500 MW benötigt eine Stadt wie Dresden für ihren Stromverbrauch.

Vom Kantinenessen gesättigt wurde uns eine erneute Präsentation gezeigt, die zu konstruktiven Diskussionen anregte. Thema der Präsentation war unter anderem die notwendige Modernisierung des Kohlekraftwerkes Jänschwalde, die dem hohen CO2-Ausstoß entgegenwirken soll.

So will Vattenfall CCS anwenden und so CO2 abscheiden lassen mit dem sogenannten Oxyfuel- Verfahren. CCS ist die Abkürzung für Carbon Dioxide Capture and Storage und bedeutet die Abscheidung und Speicherung von Kohlenstoffdioxid. Mit dem Oxyfuel-Verfahren sollen der Wirkungsgrad erhöht und die Emissionen von CO2 vermindert werden.

Vor allem um dieses noch nicht vollends erforschte Themengebiet ging die folgende Diskussion. Denn es ist nicht sicher abzuschätzen, ob die Speicherung von CO2 z.B. in tiefen Sedimentschichten keine sich auf das Klima negativ auswirkende Folgen hervorrufen werde.

Im Anschluss wurden wir durch das Kraftwerk geführt, ein Ort, an dem von Meter zu Meter die Temperaturverhältnisse schwanken, Dampf aus Rohren strömt oder Kohle- sowie Steinbrocken auf den schmalen Gitterwegen liegen. Uns wurde der Weg der Kohle gezeigt vom Transport in den Verbrennungsofen bis zur Erzeugung von elektrischem Strom durch einen Generator, der von einer Turbine angetrieben wird. Die Turbine wird angetrieben durch Wasserdampf, der bei Erhitzung durch die Kohleverbrennung von Wasser entsteht, das sich in einem anderen Kreislauf befindet.

Die Exkursion durften wir mit einiger Verwunderung beenden, denn in großen Bassins gefüllt mit dem warmen Kühlwasser vom Kohlekraftwerk werden Fische gezüchtet, die, wie uns unsere Führerin versichert hatte, “gern dort lebten!” Na dann, was für eine Erleichterung… Fischbrötchen gab es allerdings keine.

Bericht: Felix Friedrich

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