Fachbereiche » Gotisch
Viele werden bei dem Begriff “Gotisch” an den Köllner Dom1) denken – einige vielleicht auch an den düster-schwermütigen Gothic-Rock.
Unsere AG hat weder das eine noch das andere zum Gegenstand: Im Mittelpunkt steht die gotische Sprache. An literarischen Denkmälern ist “nur” neben ein paar Fragmenten und Inschriften das Neue Testament in der Übertragung des Missionsbischofs für die Goten, Wulfila, auf uns gekommen.
Der Sprache selbst nähern wir uns auf zwei Wegen: Einmal systematisch, indem wir wie im normalen Sprachunterricht Lektion für Lektion Grammatik und Wortschatz erlernen. Zum anderen vollziehen wir den Weg der Sprachwissenschaftler nach, die die Strukturen des Gotischen (Deklination, Konjugation, Wortbedeutung) im Vergleich mit den bereits vorhandenen Übersetzungen ins Griechische, Lateinische und Deutsche erschlossen haben. Deswegen sind Latein- und Griechischkenntisse nützlich aber nicht Voraussetzung für die Teilnahme an der AG.
Über den Spracherwerb hinaus untersuchen wir nach dem Vorbild der vergleichenden Sprachwissenschaft die Gemeinsamkeiten zwischen den so genannten indogermanischen Sprachen, vor allem Latein, Griechisch, Englisch, Deutsch aber auch Altindisch.
Ausgehend von der Geschichte der Goten beschäftigen wir uns mit Geschichte, Kunst, Kultur, Religion und Literatur der Völkerwanderungszeit und des Mittelalters: z.B. mit Franken und Vandalen, dem Reich Theoderichs des Großen, Schatzfunden und Runeninschriften, den theologischen Streitigkeiten im frühen Christentum, mit dem Nibelungenlied und nicht zuletzt mit dem Inhalt des Neuen Testaments.
Ziel der AG ist es also unter anderem, den Schülern Wissensbereiche zu erschließen, die im regulären Unterricht meistens zu kurz kommen oder ganz ausgeklammert werden.
Für weitere Auskünfte wende man sich bitte an Herrn Wolf.
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1) Den Fachausdruck “Gotik” prägte der italienische Kunsttheoretiker Giorgio Vasari zur Zeit der Renaissance in Herabsetzung der Kathedralkunst, die nördlich der Alpen am Ende des Mittelalters entstanden war, gegenüber der von ihm verehrten antiken Baukunst.