Donnerstag, 17. September 2009
Literaturfahrt 2009

Weimar 2009

Zwei Grundkurse Deutsch in Weimar und Buchenwald

Vom 7.9. bis 9.9. waren zwei der Grundkurse (Frau Harnack/Frau Stemmhild) auf Literaturfahrt in Weimar, wo auf den Spuren Goethes, Schillers und ihrer Zeitgenossen gewandelt und gedichtet wurde. Den Literaturwettbewerb, bei dem es galt, aus der Sicht eines Goethe-Zeitgenossen den Kulturort Weimar literarisch zum Leben zu erwecken, hat nach Abstimmung durch die Kursteilnehmer Philipp Wendel gewonnen. Herzlichen Glückwunsch!

Im Gedenken an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wurde die Fahrt ergänzt durch eine umfangreiche Führung in der Gedenkstätte Buchenwald. Kulturgenuss und Gedenken müssen sich also nicht ausschließen, sie können sich ergänzen.

Der von den Kursteilnehmern prämierte Wettbewerbsbeitrag.
Na, wer ist hier der Ich-Erzähler?

“Könnt ich doch ungestört dies Bild erleben, durchsetzt vom goldnen Glanz der Sonnenstrahlen, die hohen Kronen drüber, die das Flüsschen säumen.

Unschuldige Idylle wär’s, wenn ich hier ohne Grund und offen säße. So aber bin ich versteckt von Buschwerk. Fremder hier auf dem Gebiet, lauere auf fremdem Grundstück dem Manne auf, dem es gehört, um ihm zu folgen und zu sehen, ob er zu meinem Grund und Boden drängt.

Und schon verschließt sich mir das Herz, auch wenn ich noch so jauchzen wollt von diesem göttlich Platz.

Halt, die Tür geht auf, jetzt wird sich zeigen, wie geistig ihre Liebe ist, wie hehr wohl ihre Leidenschaft. Da geht der Herr Minister Goethe, steuert auf die Brücke zu – wenn er meine Liebste mit mehr als bloßen Worten nur bedrängt – dann – gnade ihm Gott – stürz ich ihn vom Geländer nächstes Mal, wenn ich ihm seh.

Ich folge ihm, dann wollen wir sehen, was den Mann in meine Zimmer führt. Und grade jetzt kommt die Frau Geheimrat von dem Städtchen her, die alte Schnepfe, als ob es nicht genug wär, wenn ich sie jeden – “Seien Sie gegrüßt, meine Liebe, ein herrliches Fleckchen Erde, nicht wahr? Wie geht es dem Herrn Gemahl?” – Monat dreimal nebst Gatten in meinem Haus begrüßen muss. Und wo ist mein Nebenbuhler jetzt? Nicht, dass er unbemerkt das Haus erreicht. Da oben, er ist schon an der Bibliothek, wer so sich eilt, der kann nur auf der Flucht sein oder besessen. Wenn ich doch Unrecht hätt, er ginge zum Fürsten oder in die Schenke, nein, da, er ist am Tor, er klopft nicht mal, da macht sie auf. Damit dürfte es besiegelt sein. Wer trifft sich so, um über Platon oder Seneca zu reden? Ich will ihn lynchen, augenblicklich ihn erwürgen. Andererseits, auf immer trennte mich das von meinem Herz, nie mehr könnte ich in dieser Stadt erscheinen.

Mit Künstlern und Beamten hält’s der liebe Gott am meisten; kein Mensch würde je verstehen, dass ich den Meister, unseren größten Dichter meinem Zorn überlasse.

Ich muss bei meiner Frau beginnen, nur wie kann ich loskommen von dieser Aura, diesem Charme? Was soll ich tun?”

Philipp Wendel

96x angesehenKategorie: Allgemein · Autor: bu · Kommentieren

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